Nachhaltiger Einkauf – von der lästigen Pflicht zum neoökologischen Zukunftstrend

Obwohl der Nachhaltigkeitsdiskurs längst nicht mehr nur das private Leben bestimmt, sondern auch in die Betriebsorganisation Einzug gehalten hat, so zeigen das Fallbeispiel eines meiner Kunden sowie eine INVERTO-Umfrage erschreckend deutlich: Das Thema scheint in der Unternehmenspraxis und insbesondere im Einkauf noch nicht recht angekommen zu sein.

Während mein Kunde im Jahr 2022 mit der kompletten Schließung eines Verwaltungsgebäudes auf die Energiepreiserhöhungen von Lieferanten reagierte, zeigen die 90 befragten Unternehmen der INVERTO-Studie: in puncto Nachhaltigkeit wird kaum mehr getan als gesetzlich gefordert. Ganze zwei Drittel der Firmen befassten sich ausschließlich wegen gesetzlicher Forderungen mit dem Thema. Darüber hinaus beschäftigte sich weniger als ein Drittel mit den Themen Müllvermeidung, Recycling oder einem reduzierten Wasserverbrauch und weniger als die Hälfte wollte ihren Energieverbrauch verringern oder Maßnahmen zur Dekarbonisierung ergreifen.

Der Lieferant im Fokus einer brüchigen Nachhaltigkeitsstrategie

Aufgrund von unzureichenden Ressourcen und mangelndem Fachwissen im Einkauf nehmen viele Firmen ihre Lieferanten in die Verantwortung. So überrascht es nicht, dass das laut INVERTO-Studie am häufigsten implementierte Nachhaltigkeitsziel ein Verhaltenskodex für Lieferanten war, den drei Viertel der Befragten unterschreiben ließen, während ein gutes Drittel bei der Auswahl der (überwiegend direkten) Lieferanten zudem Nachhaltigkeitskriterien zugrunde legte. Doch die Weitergabe der Verantwortung an die Lieferanten kann das eigene Unternehmen teuer zu stehen kommen, ist man doch geforderten Energiepreiserhöhungen in der Konsequenz ziemlich ausgeliefert.

Vier Zukunftsthesen zur Neoökologie und ihre Tragweite für den Einkauf

Die Ergebnisse der INVERTO-Umfrage zeigen zudem, dass das Thema unternehmerischer Nachhaltigkeit auch im Hinblick auf Zukunftstrends und neue Generationen verschlafen wird. Auf der Seite www.zukunftsinstitut.de findet sich ein sehr interessantes Dossier zum Thema Neoökologie, das folgendermaßen einleitet: „Ob Kaufentscheidungen, gesellschaftliche Handlungsmoral oder Unternehmensstrategien: Der Megatrend Neo-Ökologie etabliert ein neues Werte-Set, das in jeden Bereich unseres Alltags hineinreicht. Das Nachhaltigkeitsparadigma reprogrammiert die Codes der globalen Gesellschaft, der Kultur und der Politik – und richtet unternehmerisches Handeln sowie das gesamte Wirtschaftssystem fundamental neu aus.

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang vier Zukunftsthesen zum Megatrend Neoökologie und deren Bedeutung für den Einkauf an.

These eins: Der Mensch reintegriert sich in das Ökosystem Erde.

Der Klimawandel und globale Katastrophen wie die Corona-Pandemie zeigen: Der Mensch steht nicht über den Dingen und ist daher weder Zerstörer noch möglicher Retter der Welt. Mit dem Wandel hin zu neuen lösungsorientierten Standards ordnet sich der Mensch neu in das sich selbst organisierende System Erde ein. Für den Einkäufer stehen damit die praktische Umsetzung des Lieferkettengesetzes und genaue Überlegungen bei der Auswahl der Beschaffungsstrategien im Bereich Nearshoring oder Offshoring im Mittelpunkt.

These zwei: Nachhaltigkeit bedeutet klüger, nicht weniger.

Unterstützt durch Green Tech bewegt sich die Verbrauchsart der zukünftigen Neoökologie hin zu einem intelligent-nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und damit weg von der Verknappungsmaxime. Was bedeutet diese These für den Einkäufer? Technologische „grüne“ Innovationen und Spezifikationen werden sowohl bei der Prüfung eigener Produkte als auch bei Ausschreibungen zunehmend relevant sein.

These drei: Das Wirtschaftssystem wird zum Wertesystem.

Die Corona-Krise hat die Notwendigkeit einer fundamentalen Transformation der Wirtschaft aufgezeigt: Nachhaltigkeit, Postwachstum und Gemeinwohl nehmen künftig den Platz von Wachstums- und Profitmaximierung ein. Folglich wird im Einkauf neben betriebswirtschaftlichen Themen der Faktor M(ensch) und die Zusammenarbeit in Projektteams zunehmend in den Fokus rücken. Eine neue Generation von Einkäufern wird fachübergreifend und lösungsorientiert zusammenarbeiten, denken und agieren.

These vier: Die Generation Global schafft eine nachhaltige Welt.

Die nachwachsende Generation ist mit Blick auf ihre Zukunft durch eine fortschrittliche, lösungsorientierte und ernsthafte Denkweise vernetzt. Auf Basis eines kritischen Konsums mit sinnhafter und sozialer Komponente steht für sie vor allem eine Zielsetzung im Mittelpunkt: eine global nachhaltigere, gerechtere Wirtschaft und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund werden Einkäufer künftig den Zweck ihrer Arbeit und die entsprechenden Umweltauswirkungen besonders beachten müssen. Das gilt insbesondere für Vergabeentscheidungen entlang der Lieferkette, deren Bewertungsmatrix um das Thema Nachhaltigkeit ergänzt werden muss, um so die Big Five – also die fünf Entscheidungskriterien für Lieferanten – im Einkauf zu vervollständigen: Preis, Service, Technologie, Qualität, und Nachhaltigkeit.

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Mehr zu diesem und anderen Themen für zukunftssichere Strategien im Einkauf gibt es auch zum Nachhören in meinem Podcast.


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