Tanken Sie noch oder laden Sie schon – welche Rolle spielt der Einkauf bei der E-Mobilität?

Gleich zu Beginn möchte ich eine Lanze für meine Kolleginnen und Kollegen im Einkauf brechen. Sie gehören zu einer der Berufsgruppen, die ständig mit Veränderungen konfrontiert wird. Es gibt laufend neue Gesetze oder Verordnungen und gefühlt jeden Tag kommt etwas Neues hinzu. Der Einkauf muss sich darauf einlassen und vieles bedenken, was herausfordernd sein kann. So auch bei dem Thema, dass es ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr geben soll.

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Im öffentlichen Bereich ist es still geworden um die E-Mobilität, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hinter den Kulissen schon einiges an Umsetzung auf Hochtouren läuft. Und daran sind auch viele Einkaufsmanager mit ihren Teams beteiligt. Die auf uns zurollende Welle der E-Mobilität wird natürlich insbesondere in der Automobilindustrie einiges auf den Kopf stellen. Betroffen davon sind wir alle: ob als Autofahrer, Konstrukteure, Entwicklungsingenieure, Einkäufer, Tankstellenpächter und in vielen anderen Funktionen. Stichworte, die dabei immer wieder fallen sind Nachhaltigkeit und Standardisierung.

Warum jetzt umdenken?

Der Auslöser, warum wir jetzt alle umdenken müssen, ist der historische Beschluss, dass es ab 2035 keine Verbrennungsmotoren in der EU mehr geben soll. Ein riesengroßer Schritt, wenn wir bedenken, wie viele davon aktuell noch auf den Straßen unterwegs sind. Ob sich das Ziel mit den hinzugekommenen Herausforderungen der Energiekriese tatsächlich erreichen lässt, steht noch in den Sternen. Fakt ist hingegen, dass das EU-Parlament sogar dafür stimmte, dass Neuwagen ab 2030 kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. In Deutschland wurde das Ganze bereits durch die Umweltministerin Frau Lemke offiziell gemacht, die im Namen der Bundesregierung im März in Brüssel kundtat, dass sie hinter dem Ziel, bis 2035 die Verbrennungsmotoren bei Autos und Transportern abzuschaffen, steht. Mit diesem Beschluss wurden jedoch auch Killerphrasen wieder deutlich lauter.

Damit komme ich nicht weit …

Unterhalten wir uns mit Kollegen, Geschäftspartnern, Kunden oder anderen über E-Mobilität, hat jeder eine eigene Meinung und mit Sicherheit auch die eine oder andere Killerphrasen parat. „Die Autos können noch keine langen Strecken fahren“, „es gibt nicht genug Ladestationen“, „E-Fahrzeuge sind alles andere als umweltfreundlich“, „die Batterien sind bei Unfällen lebensbedrohlich“ usw. Die Pläne für die Umstellung auf E-Mobilität liegen schon lange in der Schublabe. So haben mehrere große Autohersteller, darunter Mercedes und Ford, bereits im November auf der Weltklimakonferenz in Glasgow einen Verkaufsstopp für Verbrenner in den führenden Märkten ab 2035 gefordert. Das heißt, die Hersteller machen sich bereits lange Gedanken darüber und können einige Killerphrasen entkräften. Die zu geringe Reichweite gilt weithin als Totschlagargument, galten E-Autos doch lange Zeit als reine Stadtfahrzeuge. Doch der Trend wendet sich. Die Reichweiten werden immer größer und kommen heute schon an die eines Benziners oder Diesels heran und überschreiten diese sogar. Es gibt gute Vergleiche zu den Reichweiten von E-Autos aus dem Jahr 2021, unter anderem unter https://www.evara.com/. Dort kann man sich selbst schlau machen und stöbern, wie die Statistiken dazu aussehen.

Und wo soll ich laden?

Eine weitere Killerphrase ist, dass es nicht genügend Ladestationen gibt. Zugegeben, gerade im ländlichen Raum gibt es hier noch Aufholbedarf, dennoch steigt die Zahl der Ladestationen im öffentlichen Raum immer weiter an. So verfügt zum Beispiel fast jedes Parkhaus heute über mehre Ladestationen. Gehen Sie einmal mit offenen Augen durch die Stadt und Sie werden sehen, dass die Ladestationen bereits zugenommen haben. Zahlen von Statista aus Juli 2022 zeigen, dass es im ersten Quartal 2021 21.498 Ladestationen in Deutschland gab und im dritten Quartal 2022 bereits 28.747. Der Trend zeigt somit klar nach oben.

E-Autos sind nur zum Schein umweltfreundlich

Viele Menschen werfen der E-Mobilität vor, nur zum Schein umweltfreundlich zu sein. Wichtig ist, dass wir hier den gesamten Lebensweg eines E-Autos betrachten: von der Herstellung, Wartung, Entsorgung, dem Recycling der Fahrzeuge und Batterien sowie den Verbrauch und Aufwände zur Bereitstellung von Strom. Die Studie „Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?“ des Bundesministeriums für Umwelt zieht einen Vergleich zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennern und liefert weitere interessante Zahlen zum Thema. Im Ergebnis liegen die Treibhausgasemissionen eines heutigen Elektrofahrzeuges der Kompaktklasse über den gesamten Lebensweg gesehen niedriger als bei vergleichbaren Benzinern, so die Studie. Das Fazit zeigt allerdings auch, dass Elektrofahrzeuge nicht die einzige Strategie sein können, um den Zielen des Klima- und Umweltschutzes im Straßenverkehr gerecht zu werden.

Kennen Sie DAF?

Auf den Einkauf werden in den kommenden Monaten und Jahren noch viele Herausforderungen zukommen und auch einige Killerphrasen. Lassen Sie sich bitte nicht von diesen einreden, dass neue Ideen oder Innovationen zur Nachhaltigkeit oder anderen Themen nicht möglich sind. Aufgrund dessen empfehle ich jedem die DAF-Methode. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten und wie diese Methode in Ihrem Einkauf wirkt, dann lassen Sie uns dazu gerne über LinkedIn oder in einem persönlichen Termin sprechen.

Mehr zu diesem und anderen Themen für zukunftssichere Strategien im Einkauf gibt es auch zum Nachhören in meinem Podcast.


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