Über den Tellerrand hinaus – neue Einkäufertypen sind gefragt

Wo endet eigentlich der Tellerrand und was zeichnet die neuen Einkäufertypen aus? Eine Frage, die ich mir schon vor einiger Zeit stellte als ich die Aufgabe hatte, für ein international tätiges Technologieunternehmen, in welchem die Einkaufsabteilung komplett auseinandergefallen war, diese neu zu besetzen. Ich begann damit, mir die Stellenausschreibungen für die Einkäufer näher anzusehen.

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Die klassischen Stellenanzeigen für Einkäufer beinhalten häufig folgende Punkte: Ein abgeschlossenes Studium oder eine vergleichbare Ausbildung in der Branche. In diesem Fall in der Elektroindustrie. Dann sollten noch Kenntnisse im Vertragsrecht und ein gutes Fachwissen in der Branche vorhanden sein. Obendrauf braucht der neue Mitarbeitende Verhandlungssicherheit und Überzeugungskraft. Der sichere Umgang mit MS Office Programmen und natürlich mit dem ERP-System, sind ebenfalls Voraussetzung. Garniert werden sollte das Ganze dann noch mit Engagement, Motivation, Flexibilität und einer strukturierten, selbständigen und lösungsorientierten Arbeitsweise. Im Prinzip steckte folgende Aussage hinter der Stellenausschreibung: „Wir suchen einen operativen Einkäufer, der sich zwar in der Branche auskennt, aber am Ende des Tages auch nur seine Daten und Informationen in das ERP-System eingibt, und das bitte strukturiert und selbstständig.“

Der Funke muss überspringen

So richtig kann der Funke bei einer solchen Stellenausschreibung nicht überspringen. Wenn ich von neuen Einkäufertypen spreche, dann meine ich in erster Linie Mitarbeitende, die sich mit Trends im Einkauf beschäftigen wie zum Beispiel der Digitalisierung, Agilität, Innovation, Nachhaltigkeit und Krisenmanagement. Ich ging also in den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einkaufsabteilungen und sagte: „Was ist der Einkäufertyp, den wir hier brauchen? Was brauchen wir in diesem internationalen Technologieunternehmen? Was soll der Einkäufer oder die Einkäuferin am Ende des Tages wirklich können?“ Die darauffolgenden Diskussionen, die auch mit der Führungsebene durchgeführt wurden, warfen Fragen auf: „Wollen wir überhaupt einen neuen Einkäufertypen? Wollen wir Mitarbeitende, die über den Tellerrand hinausschauen und vielleicht sogar uns als Führungskräfte noch etwas beibringen?“ Oder war nicht doch der Stereotyp gefragt, der einfach Daten ins System eingibt. An diesem Punkt stellten wir in der in Führungsebene fest, dass wir, um ehrlich zu sein, eine neue Art Einkäufer brauchen. Das beinhaltet auch fordern, fördern und loslassen lernen.

Spannende Fragen rund um Einkäufer

Ein Thema, das bei unseren Diskussionen oft auf den Tisch kam, war Vertrauen. Wenn wir als Führungskräfte einen Wandel im Unternehmen ermöglichen wollen, um auch auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es einen Typ von Einkäufern, dem wir vertrauen können. Doch wie ticken die Einkäufer auf dem internationalen Markt? Wie sind die unterwegs? Sind sie vielleicht viel kreativer, kommunikativer und lösungsorientierter als wir im DACH-Raum? Diese und andere spannende Fragen besprachen wir in einem kleinen Workshop im Führungskreis. Dort erarbeiteten wir, welche Art von Einkäufern das Unternehmen wirklich braucht.

Neue Einkäufertypen im Unternehmen

Der Workshop kam zu dem Ergebnis, dass wir Einkäufer brauchen, die kreative Lösungen finden können, die in der Lage sind, from anywhere zu arbeiten – sowohl im Homeoffice als auch in Coworking Areas, einem festen Büro oder direkt beim Lieferanten. Das setzt natürlich eine sehr strukturierte und selbstständige Arbeitsweise voraus. Wir als Führungsebene haben uns gewünscht, dass Digitalisierung für die neuen Einkäufertypen kein Fremdwort ist und stellen fest, dass wir definitiv Unternehmensgestalter und Unternehmensgestalterinnen brauchen, die wir intern stark machen und auch an Entscheidungen beteiligen wollen. Wir wollten Einkäufer, die in der Lage sind, mit Lieferanten auf Augenhöhe zu verhandeln und Innovationen, auch von technischer Seite aus, zu beurteilen. Darüber hinaus sollten die Einkäufer ein Gespür für Menschen haben und es verstehen in agilen, fachübergreifenden Projektteams mitzuarbeiten. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahrzehnten, wenn es ums Thema Einkauf geht, immer mehr in zeitlich begrenzten Projektteams zusammenarbeiten werden.

Ein Umdenken ist erforderlich

Das Wunschbild bei diesem Technologieunternehmen war, dass wir als Führungskräfte, den Mitarbeitern vertrauen, ihnen Leitplanken vorgeben und klare Ziele definieren. Wir wünschten uns, dass ebendiese neuen Einkäufertypen nicht nur Daten ins System eingeben, sondern viel mehr als das. Aus diesem Auftrag habe ich die Erkenntnis mitgenommen, wie wichtig es ist, auf allen Ebenen umzudenken – sowohl in der Führung als auch der Einkaufsabteilung.

Möchten auch Sie Einkäufer in Ihrem Unternehmen, die über den Tellerrand hinausschauen? Lassen Sie uns gerne zu diesem Thema in den persönlichen Austausch gehen. Vernetzten Sie sich dazu mit mir auf LinkedIn oder vereinbaren Sie einen Termin mit mir. Mehr zu diesem und anderen Themen für zukunftssichere Strategien im Einkauf erfahren Sie ab sofort auch in meinem brandneuen Podcast – hören Sie jetzt rein.